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Bindungsmuster: Verstehen, wie sie entstehen und wie sie auf unsere Beziehungen einwirken können


Lange dachte man, dass uns Bindungsmuster aus der Kindheit ein Leben lang prägen, ohne Möglichkeit auf Veränderung. Die gute Nachricht ist, man kann im Erwachsenenalter lernen, Beziehungen neu zu gestalten.


Anlässlich meines Impuls-Vortrags zu den Bindungsmustern in Erwachsenenbeziehungen an der Volkshochschule 1030 Wien Landstraße und den damit verbundenen sehr positiven Rückmeldungen der Teilnehmenden, fasse ich hier als Blogbeitrag einige wertvolle Impulse zusammen.


Vorweg möchte ich betonen, dass uns Bindungsmuster helfen können zu verstehen, wie wir selbst und andere in manchen Situationen reagieren. Jedes einzelne Bindungsmuster hat seinen Ursprung und verdient Verständnis und Anerkennung - ohne Bewertung! Findet sich jemand in mehreren Bindungsmustern wieder, ist das in Ordnung!

Menschen, die weniger gute Bindungs- und Beziehungserfahrungen gemacht haben, konnten sich erfolgreich an ihre Umgebung anpassen, um zu überleben.

Was bedeutet Bindung überhaupt?


Unter Bindung versteht man das emotionale Band zwischen einer primären Bezugsperson, meistens sind das die Eltern und dem Baby. Babys werden so geboren, dass sie Nähe und Verbindung zu ihren primären Bezugspersonen suchen, um zu überleben. Dieses tief verankerte bindungssuchende Verhalten ermöglicht es dem Baby, eine Bindung zu seiner Bezugsperson zu entwickeln. Abhängig von der Art der Elternschaft kann ein Kind eine der folgenden Bindungsmuster, auch Bindungsstile genannt, ausbilden:

  • Sichere Bindung

  • Unsicher-vermeidende Bindung

  • Unsicher-ängstliche (auch ambivalente) Bindung

  • Unsicher-desorganisierte Bindung

Diese Bindungsmuster repräsentieren wie ein Baby lernt, mit stressigen Umständen und negativen Emotionen umzugehen. Die ersten drei dieser kindlichen Bindungsmuster gelten als organisiert, weil sie an die jeweilige Umgebung angepasst sind.


Exkurs: Desorganisierte Bindung


Obwohl verschiedene Faktoren zu unsicher-desorganisierter Bindung beitragen, ist ein konsistenter Faktor die familiäre Umgebung und das Engagement der Eltern. Die häufigste Ursache für desorganisierte Bindung ist das Vorhandensein einer misshandelnden Bezugsperson. Fast 80 % der misshandelten Kinder haben eine desorganisierte Bindung.


Frühe Desorganisation verurteilt eine Person jedoch nicht automatisch zu späterer desorganisierter Bindung im Erwachsenenalter. Korrigierende Bindungserfahrungen und Schutzfaktoren können verhindern, dass ein einmal desorganisiertes Kind später psychische Störungen entwickelt. Um diesen Personen zu helfen, kann eine entsprechende Therapie helfen, vergangene Traumata zu verarbeiten und gesündere Wege zur Stressbewältigung zu entwickeln. Hier verweise ich explizit auf Expert:innen, die mit trauma-therapeutischen Ansätzen arbeiten.


So äußert sich ein sicher-organisiertes Bindungsverhalten


Ein sicheres Bindungsmuster charakterisiert sich insbesondere durch ein positives Selbstbild. Solche Personen sind in der Lage, stabile Partnerschaften zu führen und zu erhalten. Sie fühlen sich mit Nähe wohl und können auch Distanz gut ertragen. Sie haben Vertrauen in sich selbst und auch in andere. Grenzen werden klar kommuniziert und sie verfügen über angemessene Bindungs- und Trennungskompetenzen.


So äußert sich ein unsicher-organisiertes Bindungsverhalten


Unsicher-vermeidende Bindung: Bindungsvermeidung bedeutet, man misstraut dem Wohlwollen des Beziehungspartners. Personen mit diesem Bindungsverhalten haben meist ein negatives Fremdbild. Was soviel bedeutet wie "Ich bin okay. Du bist nicht okay." Ihnen fällt es meist schwer, sich auf emotionale Nähe zuzulassen. Oftmals spielen hier Bindungsängste eine große Rolle. Diese Personen sehnen sich nach Nähe, gleichzeitig brauchen sie viel Abstand. Dieses Verhalten zeigt oft durch zweideutige Signale nach dem Motto: "Geh nicht weg! Aber bitte komm mir auch nicht zu nah ...!


Unsicher-ängstliche Bindung: Personen mit diesem Bindungsverhalten haben oft ein negatives Selbstbild. Sie zweifeln an der eigenen Liebenswürdigkeit. Oftmals spielen hier Trennungsängste eine große Rolle. Diese Personen fühlen sich vor allem in der Gegenwart des anderen sicher. Die eigene Stimmung wird oftmals von der Anwesenheit des Gegenübers abhängig gemacht, was in eine sehr ungesunde emotionale Abhängigkeit führen kann. Diese Personen sind meist sehr anhänglich, aus ihrer Angst heraus von einem oder mehreren geliebten Menschen verlassen zu werden. Dadurch kann es zu übertriebener Eifersucht, Kontrollverhalten sowie zu Wutausbrüchen kommen.


Bindungsmuster prägen unsere Beziehungen


Viele Menschen leiden besonders unter unsicheren Bindungsmustern aus der Kindheit, die sie daran hindern, liebevolle Beziehungen zu führen. Ich helfe meinen Klient:innen ihre Bindungsmuster zu erkennen, zu reflektieren und zu transformieren, sodass sie erfüllendere Beziehungen führen können. Gemeinsam erschaffen wir liebevolle Verbindungen.


Wenn auch du dein Bindungsmuster verstehen und damit verbundene hinderliche Dynamiken auflösen möchtest, sende mir eine Anfrage.

Persönliche 1:1 Einheiten an dein Thema und dein Tempo angepasst, vor Ort in der Wohlfühlpraxis sowie online per Video und Telefon.

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