Im Gespräch mit Sarah: Verbindung zu sich selbst - Menschen begleiten, Räume öffnen und sich wieder näherkommen
- Sarah Zelmanovics

- vor 6 Tagen
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Aktualisiert: vor 4 Tagen

Sarah, wenn du jemandem, der dich noch nicht kennt, in wenigen Sätzen erzählen würdest, was du tust - was würdest du sagen?
Ich begleite Menschen in herausfordernden Lebensphasen dabei, wieder Zugang zu sich selbst zu finden. Oft kommen Menschen zu mir, wenn sie sich erschöpft, orientierungslos oder innerlich festgefahren fühlen. Gemeinsam schaffen wir ein Raum, in dem alles sein darf - Gedanken, Gefühle, Zweifel, Sehnsüchte und Ressourcen.
Mein Ziel ist nicht, Menschen zu verändern. Ich möchte sie dabei unterstützen, sich selbst wieder besser zu verstehen, ihre eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen und ihren Weg klarer zu erkennen.
Wie bist du eigentlich zu dieser Arbeit gekommen?
Ich bin in Wien geboren und gemeinsam mit zwei Schwestern aufgewachsen. Als Kind war ich eher schüchtern und unsicher. Lange Zeit habe ich mich selbst eher im Hintergrund wahrgenommen und beobachtet. Erst im Teenageralter begann ich aufzublühen und mich Schritt für Schritt mehr zu zeigen.
Schon früh hat mich das Leben und die Vielfalt der Menschen fasziniert. Ich bin viel gereist, habe unterschiedliche Kulturen kennengelernt und viele beeindruckende Begegnungen erlebt. Und doch gab es eine lange Zeit ein Gefühl, das mich begleitet hat: Obwohl ich viele Menschen traf und ich sehr erfolgreich mitten im Leben stand, fühlte ich mich nicht immer wirklich verbunden.
Heute verstehe ich, dass es dabei weniger um die anderen ging. Es hatte viel damit zu tun, wie verbunden ich mit mir selbst war.
Ein wichtiger Teil meines Weges bestand darin, diese Verbindung "nachzunähren" - mich selbst besser kennenzulernen, meine Bedürfnisse ernst zu nehmen und mir mit mehr Mitgefühl zu begegnen.
Diese Erfahrungen prägen meine Arbeit bis heute. Denn ich glaube, dass sich viele Menschen nach Verbindung sehnen: nach Verbindung zu sich selbst , zu anderen Menschen und zu einem Leben, das sich stimmig anfühlt. Deshalb begleite ich Menschen nicht dabei, jemand anders zu werden. Ich begleite sie dabei, sich selbst wieder näherzukommen.
Was ist dir in deiner Arbeit besonders wichtig?
Dass Menschen sich sicher fühlen.
Wirklich Veränderung entsteht selten durch Druck oder gute Ratschläge. Sie entsteht dort, wo wir uns gesehen, verstanden und angenommen fühlen. Deshalb arbeite ich traumasensibel und mit großer Wertschätzung für die individuellen Lebensgeschichten meiner Klientinnen und Klienten.
Jeder Mensch hat gute Gründe für deine Reaktionen, seine Muster und seine Schutzstrategien. Mich interessiert nicht nur das Problem, sondern vor allem die Geschichte dahinter.
Ich begegne Menschen mit Neugier statt mit Bewertung. Denn oft beginnt Entwicklung genau dort, wo wir aufhören, gegen uns selbst zu kämpfen.
Du sprichst oft vom Nervensystem. Warum spielt das eine so große Rolle?
Weil viele Menschen glauben, mit ihnen stimme etwas nicht, wenn sie sich erschöpft, überfordert oder blockiert fühlen.
Dabei reagiert häufig ihr Nervensystem auf Belastungen, Stress und schwierige Erfahrungen. Wenn wir verstehen, wie unser Körper funktioniert, entsteht oft sofort mehr Selbstmitgefühl.
Ich erlebe immer wieder, wie entlastend es für Menschen ist zu erkennen: "Ich bin nicht falsch. Mein System versucht gerade, mich zu schützen."
Diese Perspektive eröffnet neue Möglichkeiten, mit sich selbst umzugehen. Sie schafft Verständnis statt Selbstkritik und eröffnet neue Handlungsspielräume.
Was erleben Menschen, wenn sie mit dir abreiten?
Viele berichten, dass sie sich zum ersten Mal verstanden fühlen.
Dass sie beginnen, sich selbst mit mehr Mitgefühl zu begegnen. Dass sie lernen, ihre Gefühle und Bedürfnisse ernster zu nehmen und ihren eigenen Wahrnehmungen wieder zu vertrauen.
Manchmal finden Menschen neue Perspektiven auf eine Situation. Manchmal treffen sie Entscheidungen, die sie lange aufgeschoben haben. Manchmal geht es aber auch einfach darum, wieder durchatmen zu können.
Ich glaube, Entwicklung geschieht oft in kleinen Schritten. Nicht immer spektakulär, aber nachhaltig.
Wie würdest du deine Arbeitsweise beschreiben?
Ich verbinde fachliches Wissen mit Menschlichkeit.
Mich interessieren wissenschaftliche Erkenntnisse ebenso wie die persönliche Erfahrung eines Menschen. Deshalb fließen in meine Arbeit unterschiedliche Ansätze ein - von psychologischer Beratung über systemische Perspektiven bis hin zu Erkenntnissen aus der Trauma-Forschung und der Arbeit mit dem Nervensystem.
Gleichzeitig darf auch Leichtigkeit ihren Platz haben.
Nicht jede Erkenntnis muss schwer sein. Nicht jede Entwicklung braucht Druck. Oft entstehen die wichtigsten Veränderungen dort, wo Menschen sich sicher genug fühlen Neues auszuprobieren und sich selbst mit etwas mehr Mitgefühl zu begegnen.
Wer bist du außerhalb deiner Arbeit?
Ein sehr kreativer Mensch.
Ich liebe es, Dinge wachsen zu sehen - im Garten genauso wie bei Menschen.
Ich gärtnere gerne, ziehe Gemüse, koch Marmeladen ein, gestalte räume und genieße die kleinen Dinge des Lebens. Ich liebe den Duft von Holunderblüten, gute Gespräche, gemeinsames Essen und Momente, in denen Menschen sich wirklich begegnen.
Vielleicht hängt das alles auch mit meiner Arbeit zusammen.
Mich faszinieren Prozesse. Wie aus einem Samenkorn eine Pflanze wird. Wie aus einer Idee ein Projekt wird. Oder wie Menschen Schritt für Schritt wieder mehr bei sich ankommen.
Wachstum lässt sich nicht erzwingen. Es braucht Zeit, die richtigen Bedingungen und Vertrauen. Das gilt im Garten - und oft auch im Leben.
Was wünscht du den Menschen, die diesen Beitrag lesen?
Das sie sich selbst mit etwas mehr Freundlichkeit und Mitgefühl begegnen.
Wir leben in einer Zeit, in der viele Menschen funktionieren, leisten und stark sein möchten. Doch manchmal beginnt echte Stärke genau dort, wo wir aufhören, gegen uns selbst zu kämpfen.
Ich wünsche jedem Menschen Momente, in denen er innehält und spürt: "Ich muss nicht jemand anders werden. Ich darf lernen, mehr ich selbst zu sein."
Denn Verbindung beginnt nicht im Außen. Sie beginnt dort, wo wir uns selbst wieder begegnen.



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